--- Stand: 28. Juni 2003 ---

Elben als Spielercharaktere

Hintergrund-Info

Elben unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Menschen. In ihrer frühesten Kindheit ähneln sie Menschenkindern, doch wenn ein Mensch erwachsen wird und körperlich voll ausgewachsen ist, sieht ein zur gleichen Zeit geborener Elb noch aus wie ein ca. 7 jähriges Menschenkind. Elben sind erst mit cirka 50 Menschenjahren körperlich ausgewachsen.

Elben heiraten ziemlich früh in ihrem unsterblichen Leben und pflanzen sich dann auch sehr bald fort. Dies geht darauf zurück, dass sich der Sinn eines Elben mit steigendem Alter auf andere Dinge richtet. Zudem haben Elben keinen dem Menschen vergleichbaren Sexualtrieb. Ihre Liebe ist eher geistiger Natur und Fortpflanzung wird eher als eine gesellschaftliche Pflicht angesehen. Unter den Elben gibt es nur Hochzeiten aus Zuneigung, soziale Gegebenheiten spielen keine Rolle. Wenn jedoch ein Elb aus irgendeinem Grund keine Möglichkeit sieht, den oder die Geliebte zu heiraten, zieht er es in jedem Fall vor, allein zu bleiben.

Im mittleren Dritten Zeitalter pflanzen sich die Elben durchschnittlich nicht mehr so stark fort wie früher. Während im Ersten Zeitalter ein elbisches Paar oft vier Kinder hatte, dürften es im mittleren Dritten Zeitalter durchschnittlich noch zwei Kinder sein. Der Noldo Feanor, der Kinderreiche, hatte sieben Söhne, und nach ihm wurde nicht mehr davon gehört, dass jemals wieder ein Elb gleich viele oder mehr Nachkommen hatte. Zwillingsgeburten sind selten, kommen aber vor (siehe Elladan und Elrohir). Elben planen ihren Nachwuchs zudem meist so, dass sie das nächste Kind erst nach der Volljährigkeit des vorangegangenen Kindes zeugen.

Diese "Regeln" oder besser historischen Tatsachen können in unruhigen Zeiten oder unter besonderen Umständen ausser Kraft gesetzt werden. D.h. es gibt historisch belegte Fälle, in denen Elben erst in relativ hohem Alter Nachkommen gezeugt haben. Dies sollten jedoch Ausnahmen sein, die gut begründet werden.

Faustregeln:
50 Jahre - Erwachsen. Heirat. Erstes Kind.
100 Jahre - Zweites Kind.
150 Jahre - Drittes Kind.
200 Jahre - Viertes Kind.

Die Generationen der Elben:

In einer Gesellschaft von Unsterblichen kommt der Generationenfrage eine besondere Rolle zu. Während in menschlichen Gesellschaften die älteste Generation irgendwann natürlicherweise ersetzt wird, ist dies in intakten Elbengesellschaften nicht der Fall. Stattdessen stehen an der Spitze der Gesellschaft immer die gleichen, altvorderen Elben. Das beste Beispiel ist Cirdan von den Grauen Anfurten, der zur Zeit des Ringkrieges mindestens 10.000-15.000 menschliche Jahre alt sein dürfte. Die Rangfolge der Elben dürfte sich daher fast natürlich aus dem Alter ergeben. Ausnahmen sind bekannt, wobei Gil-Galad, Hochkönig der Noldor im Zweiten Zeitalter, das prominenteste Beispiel sein dürfte. Er übernahm am Anfang des Zweiten Zeitalters das Hochkönigtum der Noldor, obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum volljährig gewesen sein dürfte. Der Grund dafür dürften aber dynastische Erwägungen gewesen sein, denn er war der Sohn von Fingon, der vor ihm bis zu seinem eigenen Tode Hochkönig der Noldor war.

Angehörige jüngerer Generationen müssen sich dieser überkommen Gesellschaftsordnung anpassen und eingliedern.

Der Tod in der Betrachtung der Elben:

Die Elben haben ein völlig anderes Verhältnis zum Tod als die Menschen. Erstens sind sie körperlich unsterblich, d.h. ihnen droht kein körperlicher Verfall. Wunden hinterlassen keine Narben, selbst schwere Verletzungen heilen relativ leicht, Krankheit kennen die Elben nicht. Zweitens kennen sie ihr Schicksal nach dem Tod (zumindest die Elben von Nordwest-Mittelerde). Sie wissen, dass sie nach dem Tod nicht aufhören zu existieren, sondern dass ihr Geist in der Welt bleibt und in den Hallen von Mandos wieder Gestalt annimmt. Nach ihrem Tod leben die Elben körperlich in Aman, den Unsterblichenlanden, dem Paradies. Es gibt also nicht den geringsten Grund für einen Elben, den körperlichen Tod zu fürchten. Dies sieht für die Menschen natürlich ganz anders aus. Das Schicksal der menschlichen Geister ist unbekannt. Zwar haben die Elben, die in den Unsterblichenlanden waren und mit den Valar gesprochen haben und danach in Mittelerde mit den Menschen gesprochen haben, gesagt, dass die Geister der Menschen nach dem körperlichen Tod zu Ilúvatar, Eru dem Einen, gehen, doch wie könnte sich ein Mensch da sicher sein? Für die Menschen ist der Tod ein großes Mysterium, das noch niemand klären konnte, und daher hat der Tod für viele Menschen einen großen Schrecken. Doch für Elben ist das vielleicht schlimmste am Tod, dass sie lange Zeit ihre Anverwandten nicht wiedersehen werden. Doch selbst diese Trennung ist in den allermeisten Fällen nur eine Zeitliche.

Elben haben keine Angst vor dem Tod. Daher stellt sich ihnen nichts entgegen, wenn es darum geht sich selbst für eine hohe Sache zu opfern. Und weil die meisten von ihnen sehr genau wissen, dass nach ihrem körperlichen Tod in Aman über sie gerichtet wird, und dass ihnen die Annahme eines neuen Körpers verwehrt werden könnte, wenn sie in Mittelerde schändliche Dinge vollbringen, ist die Wahrscheinlichkeit umso größer, dass sie sich jeder Art von Unrecht entgegenstellen. Dies tun sie natürlich nur, solange sie ihr eigenes Einschreiten für angemessen empfinden. Dafür braucht es schon eines gewichtigen Anlasses, z.B. würden sie sich nicht unbedingt opfern, wenn es darum geht einen Diebstahl zu verhindern. Die meisten Angelegenheiten der Sterblichen interessieren die Elben herzlich wenig, und oftmals haben sie nur ein Lachen übrig für Dinge, die einem Menschen als sehr gewichtig vorkommen. Aber sobald ein Elb glaubt, dass ein höheres Prinzip auf dem Spiel steht, ist er zu Märtyrertum fähig wie kaum ein Sterblicher. Ein Beispiel dafür könnte Legolas sein, der sich zwar nicht aufopfert, der aber in den Schlachten der Sterblichen mitkämpft, weil er den Ringkrieg als eine sehr bedeutsame Sache ansieht. Er ist mit Sicherheit die Gefahr eingegangen in den Schachten an der Hornburg oder auf dem Pelennor zu sterben, doch oft genug lässt er seine Leichtherzigkeit gegenüber seinen gramgebeugten Gefährten durchblicken, so z.B. als die Gruppe fast am Caradhras erfroren ist und Legolas trotzdem mit einem Lachen über den Schnee hüpft.

Gründe für einen Elben auf Abenteuer zu ziehen:

Der Hauptgrund für einen Elben, die eigene Sippe zu verlassen und durch die Welt zu streifen, dürfte unerfüllte Liebe sein. Elben lieben und begehren mit einer Tiefe und einer Intensität, die sich Menschen oftmals nicht vorstellen können. Tatsächlich würde es einen Menschen wahrscheinlich zerreißen, wenn er die tiefen Gefühle eines Elben teilen könnte. Daher ist es gut vorstellbar, dass ein Elb, dessen Liebe nicht erwidert wird, sich von seiner Sippe trennt und durch die Welt wandert. Die Geschicke der Sterblichen, in die er dabei beinahe zwangsläufig gezogen wird, werden ihm gegenüber seinen eigenen Gefühlen und Antrieben klein und unbedeutend vorkommen. Er wird sich wahrscheinlich wie ein Blatt im Wind dahertreiben lassen. Seine Hoffnung könnte sein, nach ein paar Jahrhunderten der Menschen über seine Trauer hinwegzukommen und dann vielleicht zu seiner Sippe zurückzukehren, um ein neues Leben anzufangen.

Ein weiterer Grund für eine Wanderung könnte die Freundschaft zu einem Sterblichen sein. Die Umstände dieser Freundschaft müssen ganz besonders sein, denn es ist selten, dass im Dritten Zeitalter zwischen Unsterblichen und Sterblichen freundschaftliche Bande geknüpft werden. Der Elb begleitet den Sterblichen auf seiner Wanderung, um ihn zu unterstützen. Dabei wird er aber immer im Hinterkopf haben, dass diese Wanderung nur eine kleine Zwischenepisode in seinem unsterblichen Leben sein kann, so lang sie dem Sterblichen Freund auch erscheinen mag. Von daher wird er allen Ereignissen gegenüber eine etwas abgehobene Einstellung haben. Wenn der Elb noch etwas jünger ist und das Feuer in ihm noch stärker brennt als bei seinen Artgenossen, dann wird diese Weltfremdheit bei ihm vielleicht noch nicht so stark fühlbar sein.

Ein weiterer Grund für die Abwesenheit eines Elben von seiner Sippe könnte eine Reise sein. In diesem Fall hat der Elb Verwandte in einem anderen elbischen Reich und möchte diese besuchen. Da für einen Elb so etwas wie Eile normalerweise nicht existiert, braucht es den Sterblichen, denen er auf seiner Reise begegnet, nicht so vorzukommen als wollte der Elb irgendein Ziel erreichen. Denn auch größere Umwege stören den Elben nicht, hat er doch letztlich alle Zeit der Welt, um sein Ziel zu erreichen. Diese Hintergrundgeschichte sollte entweder mit dem Freundschaftsthema weiter oben gekoppelt werden, oder es sollte im ersten Abenteuer ein Grund dafür geschaffen werden, dass der Elb eine zeitlang mit der Gruppe wandert.

Ein vierter Grund, weshalb ein Elb eine Gruppe von Sterblichen begleiten könnte, ist eine spezielle Queste. Dies sehen wir im Falle von Elladan und Elrohir, die sehr oft mit den Dunedain auf Fahrt gehen. Sie kämpfen an ihrer Seite gegen Orks und Trolle und wandern mit ihnen quer durch Eriador, sogar bis nach Gondor. Die beiden haben einen guten Grund, denn ihre Mutter Celebrian wurde irgendwann von Orks gefangen genommen und in den Orkhöhlen gequält. Dies haben sie nicht vergessen und Rache mag eines ihrer Motive sein. Ein anderes ist wiederum das der Freundschaft, denn ihre Gesellschaft besteht aus Dunedain, den Elbenfreunden von Eriador. Es ist also denkbar, dass ein Elb irgendeine Schmähung wiedergutmachen will und daher mit einer Gruppe von Sterblichen reist. Genauso gut ist denkbar, dass es sich nicht um eine Schmähung handelt, sondern dass der Elb ein bestimmtes Artefakt oder eine andere Art von "Schatz" bergen will, der irgendwie abhanden gekommen ist. Der Auftrag des Ringträgers ist ein weiteres Beispiel für eine solche Queste, in der ein Elb mitwirkt, in diesem Falle Legolas.

Verhaltensweise innerhalb einer gemischten Reisegesellschaft:

In den seltenen Fällen, in denen sich ein Elb einer sterblichen Gesellschaft anschließt, wird der Elb sehr darauf achten, in welcher Gesellschaft er sich befindet. Sterbliche, die keinen Respekt vor der Natur haben, oder die wenig Mitleid mit ihren Mitgeschöpfen zeigen, wird jeder normale Elb sehr bald abstoßend finden. Elben haben Mitgefühl für alles was lebt. Dies sieht man daran, wie die Waldelben sogar Gollum behandelt haben, als dieser bei ihnen in Gefangenschaft war. Sie ließen ihn unbehelligt in den Bäumen herumklettern, obwohl er es in den Augen der meisten Menschen "nicht verdient" hätte. Sterbliche, die kein Mitgefühl für alles Lebende haben - sei es nur eine Pflanze oder eben ein fühlendes, denkendes Wesen - wirken auf Elben widerlich. Zu sehr erinnert es sie an das Verhalten der Orks, die kein Respekt für jegliches Leben haben. Ein Elb sucht sich seine Gesellschaft sehr wählerisch aus, und bekommt er das leiseste Gefühl, dass seine Gesellschaft nicht angemessen ist, dann wird er sie sehr bald verlassen. In extremen Fällen, in denen sich seine Gesellschaft als mörderisch herausstellt, wird er vielleicht sogar offen gegen diese kämpfen. Man kann dies nicht verallgemeinern, aber da die allermeisten Elben nicht die geringste Angst vor dem Tod haben, würden viele eher sterben als sich wissentlich für niedere, gemeine Zwecke missbrauchen zu lassen.