--- Stand: 26. November 2004 ---

Eine Reise nach Barad Ecthelion

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Nachdem die Heldengruppe von König Tarondor empfangen und fürstlich belohnt worden war, begannen die Vorbereitungen für die Reise nach Barad Ecthelion, die sich über mehrere Wochen erstreckten. Der Sommer verging und vor Herbstbeginn war die Gruppe bereit zum Aufbruch. In der Zwischenzeit hatte Tham Gunrar das schicke Stadtleben von Minas Anor zu schätzen gelernt und sich mit prachtvollen Kleidern aus den besten Handelshäusern eingedeckt. Calorn Marthor gab sich in der Zwischenzeit weniger weltlichen Genüssen hin, besuchte sein Ordenshaus in Ithilien, wo er neue Instruktionen und den Segen des Ordens erhielt. Gerüchten zufolge wurde ihm nach seinen zurückliegenden Erfolgen der Status eines vollen Mitglieds seines Ordens gewährt. Als shenava würde er in Kürze selbst zum Meister junger mavari werden. Feldrin stattete den königlichen Waffen- und Rüstungsschmieden Besuche ab und beaufsichtigte die Anfertigung der Drachenrüstungen, die aus den Überresten ihres übermenschlichen Gegners gefertigt werden sollten. Tarikh schien die Zeit in Minas Anor von allen am wenigsten zu nutzen. Deutlich wurde jedenfalls, dass er sich in großen Städten nicht besonders wohl fühlte. Man sah ihn oft, wie er das Umland von Minas Anor erkundete und ausgiebige Spaziergänge und Wanderungen unternahm. Thalon wiederum erholte sich weitgehend von der schweren Verwundung, die ihm der Drache zugefügt hatte. Die Heiler waren mehr als erstaunt über die Künste des elbischen Heilers, der Thalons schwerste Verwundungen so gut behandelt hatte. Obwohl Thalon bleibende Schäden davontrug - wie auch nicht anders zu erwarten! - konnte er bald wieder gehen und sich ähnlich geschickt bewegen wie zuvor. Bemerkenswert bleibt noch, dass sich schon bald eine schöne junge Frau, in deren Adern elbisches Blut zu fließen schien, der Gruppe anschloß. Ihr Name war Elwing, und sie behauptete in einer Gebirgsfestung nahe bei Barad Ecthelion geboren zu sein. Sie sagte, dass sie in der Stadt viele Gerüchte über die Taten der Heldengruppe und ihren bevorstehenden Aufbruch zu ebenjener Festung gehört hatte. Elwing wollte aus bisher unbekannten Gründen ihre Heimat besuchen.

Es ist leider immer so, dass von den kurzen Zeiten des Friedens und der Beschaulichkeit wenig oder gar nichts in der Erinnerung bleibt, die Zeiten der Krise und des Kampfes jedoch umso mehr. Sehr bald machte sich die Heldengruppe also auf den Weg nach Süden. Feldrin und Tarikh sollten das militärische Kommando von Barad Ecthelion übernehmen, Calorn Marthor sollte dort für seinen Orden einen Außenposten errichten und Thalon, Tham und Elwing schlossen sich aus ihren eigenen Gründen dieser Queste an.

Die Reise dauerte Wochen und fand ohne Hast statt. Die Gruppe überquerte mit ihrem Wagen voll Ausrüstung die Furten des Poros und kam bald nach Amon Eithel, der Provinzhauptstadt von Harondor. Dort wurden die Helden von Gouverneur Pallas, einem altgedienten Dúnadan, in Empfang genommen. Pallas teilte ihnen mit, dass es mit Barad Ecthelion ein Problem gäbe. Seit Wochen sei jeglicher Verkehr und aller Kontakt mit der Gegend rund um die Festung abgerissen. Reisende berichteten von schweren Sandstürmen und Unwettern, die eine Passage beinahe unmöglich machten. Pallas hatte bereits drei Botenreiter und Spähtrupps nach Barad Ecthelion entsandt, die allesamt nicht zurück kehrten! Die Heldengruppe ließ daraufhin den größten Teil ihrer Ausrüstung in Amon Eithel zurück, und machte sich auf leichten, schnellen Pferden auf den Weg zur Festung.

Von da an dauerte die Reise noch immer über eine Woche, und sie kamen von Tag zu Tag in schwierigeres und wilderes Gebiet. Der letzte Außenposten gondorianischer Zivilisation war Imlad Carnen, eine kleine Stadt am gleichnamigen Fluß. Einen Tag später befand sich die Gruppe in der völligen Einöde. Am frühen Morgen, bei Sonnenaufgang - die Gruppe hatte in einer kleinen, wind- und blickgeschützten Mulde einer niedrigen Hügelkuppe gelagert - hörten sie Pferdegetrappel, und ehe sie sich versahen, waren sie von über einem Dutzend Reitern unbekannter Herkunft umzingelt. Die Reiter waren sehr unfreundlich, machten einen unzivilisierten, barbarischen Eindruck und stellten sich nur als Angehörige des Volks der Eraguk vor, die seit Menschengedenken dieses Land bewohnen. Unklugerweise überführte Tham Gunrar das Gespräch schon sehr bald in eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Gebietsansprüche Gondors in dieser Region. Nur auf eine Intervention Tarikhs hin konnten sich die erhitzten Gemüter wieder etwas beruhigen, und ein Kampf ließ sich damit vermeiden. Die Reiter forderten von den Reisenden Tribut in Form von gefüllten Wassersäcken und fünfzig Silberlingen, worauf die Gruppe auch einging. Auf die Frage nach Neuigkeiten aus dem Osten, gaben die Eraguk-Reiter nur die Auskunft, dass der Weg nach Barad Ecthelion durch Stürme abgeschnitten sei, und dass die Reisenden besser den Rückweg anträten. Damit ritten sie hinfort nach Westen.

Die Heldengruppe kehrte nicht um, sondern reiste weiter nach Osten. Gegen Nachmittag kamen sie in die ersten milden Ausläufer des Sandsturms und auf einer Anhöhe, zu der sich der Weg hinaufzog, sahen sie Geier, die sich an der Leiche eines Mannes nährten. Die Geier flohen vor der näher kommenden Gruppe, doch die Leiche war ein echtes Mysterium. Alle Spuren deuteten darauf hin, dass der Mann schon längere Zeit tot war, doch seine Spuren waren noch frisch, und die Geier hatten sich erst vor kurzer Zeit auf ihn gestürzt. Ohne dieses Rätsel aufzuklären oder näher zu betrachten, vergruben sie die Leiche des Mannes, der aus Gondor zu stammen schien, unter einem großen Steinhaufen.

Kurze Zeit später kamen sie zu einer Abzweigung, an der ein Seitenweg rechts einen Abhang hinaufführte, in dessen Grat ein tiefer Durchstich war. Der Seitenweg schien breit und ausgetreten genug, um selbst einem größeren Karren die Auffahrt zu ermöglichen. Die Gruppe beschloß, einen Blick auf das Land hinter diesem Abhang zu werfen, denn sie vermuteten auch aufgrund der Worte der Eraguk-Reiter eine Siedlung ganz in der Nähe. Tham erkundete den Durchstich, erstattete Bericht und bald stand die ganze Gruppe auf dem Grat. Der Weg zog sich hinter dem Durchstich eng am Abhang einige Dutzend Meter entlang. Vor ihnen lag eine tiefe Schlucht, dessen Sohle mit dichten Dornbüschen und Gestrüpp bewachsen war. Am Wegesende überspannte eine breite Holzbrücke den Abhang. Auf der anderen Seite fiel das Land leicht ab und wurde immer fruchtbarer. In über hundert Metern Entfernung konnten sie viele hohe Pinien inmitten einer Graslandschaft erkennen. Zwischen den Pinien stand ein niedriges, großes Gebäude mit drei ebenso niedrigen Anbauten. Die Ebene war von Felsen und Findlingen übersät.

Die Gruppe betrat die Brücke, und trotz einiger Vorsicht löste sie dabei einen Alarm in Form eines ohrenbetäubenden Geräuschs aus. Calorn erklärte seinen Mitstreitern, dass es sich um eine Art magisches Wächterzeichen gehandelt haben muss. Zu ihrem Unglück deuteten sie die darauffolgenden Ereignisse zunächst völlig falsch. Denn vor dem Haus erhob sich nun eine Gestalt, die in ihrem Äußeren an den zuvor gefundenen Leichnam erinnerte. Sie gab der Gruppe ein Zeichen, leise zu sein, und schlich sich näher an das Haus heran. Schließlich stellte sie sich mit dem Rücken an die Wand, direkt neben der Eingangstür, und blieb dort regungslos stehen.

Die Gruppe war verwirrt, schlich sich jedoch an das Haus heran. Als sie fast da waren, schlich die fremde Person in das Haus hinein. Die Gruppe wollte das Haus zunächst nicht betreten, und sie schwankte in ihrer Einschätzung, was dieses Ereignis zu bedeuten habe. Sie wußten nicht, ob die fremde Person zu den Bewohnern dieses Orts gehörte, oder sich ebenso wie sie um einen Späher handelte. Daher entschlossen sie sich, nach den Bewohnern dieses Orts zu rufen. Doch es kam keine Antwort. Zuletzt und sehr widerstrebend öffneten sie die Tür, und der Ort entpuppte sich als eine alte Mühle. Seltsamerweise sahen sie nur ein kleines Mädchen, das an einer gegenüberliegenden Tür stand und nicht sprach. Zuletzt betraten sie das Gebäude, und ihnen war sehr schummrig dabei zumute. Es war eine surreale Situation.

Als sie in der Mühle standen und sich ihre Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, fanden sie sich plötzlich von mehreren Personen - Männer, Frauen und ein Kind - umzingelt, die jedoch nicht sprachen. Zu spät fiel Elwing auf, dass jede dieser Personen eine schwere Verwundung hatte, und dass einige der Wunden so schlimm aussahen, dass sie nicht mehr auf den eigenen Beinen stehen dürften. Doch dann wurden sie auch schon von den Gestalten angegriffen. Feldrin und Thalon entschieden den darauffolgenden Kampf für die Gruppe, während Tham, Calorn und Elwing eher untätig und ungläubig dabei standen. Es wurde ihnen klar, dass es sich bei den Bewohnern der Mühle um lebendig gewordene oder zu Unleben erweckten Leichnamen handelte! Doch die Gruppe schien viel zu verwirrt, um die Tragweite dieser Entdeckung sofort richtig zu realisieren. Als sie die Guhle fast besiegt hatten, begann plötzlich das Dach zu brennen. Irgendjemand hatte von außen Feuer gelegt. Als Elwing einen Blick nach draußen warf, wurde sie von einem Bogenschützen beschossen, der sich zwei Dutzend Meter von ihnen entfernt in einer Mulde hinter einem Felsen versteckt hatte. Feldrin stürmte daraufhin hinaus und wurde sofort von einem zweiten Angreifer attackiert, der sich hinter der Eingangstür verborgen hatte. Feldrin konnte den Bogenschützen erreichen, bevor er einen weiteren Schuß abgeben konnte. Es handelte sich bei den Angreifern offenbar um lebende, atmende Menschen, vom Schlag der Haruze, Söldner oder Räuber vielleicht, doch mehr sollten sie erst später erfahren.

 

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