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Die Heldengruppe verbrachte den Rest der Woche auf Tolfalas. Eine Abteilung der gondorianischen Heeresgruppe wurde in der Festung zurückgelassen, um sie von allen Überresten der bösen Südländer zu reinigen und gegen einen erneuten Angriff durch Hismir zu befestigen. Der Rest begab sich nach Gobel Tolfalas, wo sich inzwischen die Heldentaten der Gruppe sowie viele Gerüchte verbreitet hatten. Dementsprechend war auch der Empfang: als die Gruppe Gobel Tolfalas betrat, standen überall an den Straßen Menschen und blickten voller Neugier auf die illustre Heldengruppe. Manche Bewohner der Stadt winkten der Gruppe und den Soldaten freudig zu. In Gobel Tolfalas blieben sie noch einige Tage im Haus des entmachteten und geflohenen Gouverneurs, bis Brieftauben und Boten Nachrichten nach Minas Anor, der Hauptstadt von Gondor gebracht hatten, und andere Boten neue Befehle des Königs brachten. In der Zwischenzeit war auch Thalon wieder transportfähig, zugleich aber noch sehr schwach und gelähmt. Drei königliche Boten unter Führung von Romer, dem Herold des Königs von Gondor, brachten an jenem sommerklaren Sonnentag die Botschaft von König Tarondor von Gondor, dass die Heldengruppe ganz herzlich an den Königshof von Minas Anor eingeladen sei, zu einer persönlichen Audienz bei König Tarondor selbst. Romer zeigte sich besonders beeindruckt von der Tatsache, dass ein Angehöriger der königlichen Waldläufer (Sindarin: Drúano), denen er selbst jahrelang angehörte, eine solch bedeutende Rolle in der Aufdeckung und Vereitelung des Plans von Hismir spielte. Aus diesem Grunde unterhielt er sich besonders viel mit Tarikh. Die Audienz beim König sollte in acht Tagen zur Mittagsstunde stattfinden. Ein königliches Schiff, mit dem die Boten nach Tolfalas gekommen waren, sollte die Gruppe zunächst in die große Hafenstadt von Pelargir bringen und von dort aus sollte nach einem kurzen Zwischenhalt die Gruppe über Land nach Minas Anor zum Königspalast kutschiert werden. Und so geschah es. Am nächsten Morgen legte das Schiff ab und brachte die Gruppe in Begleitung von Romer nach Pelargir. Die zweitägige Seefahrt gegen die Strömung der Bucht von Belfalas und des mächtigen Anduin-Deltas gestaltete sich ruhig und erholsam im Vergleich zu den übermenschlichen Strapazen der vergangenen Wochen. Im Morgengrauen des dritten Reisetages erblickten die Passagiere in der Ferne den mächtigen Turm Barad Aerhir, dem Turm der Herren des Meeres, der fünfzig Meter hoch auf einer zwanzig Meter hohen Felseninsel inmitten der Stadt Pelargir aufragt. Bei der Einfahrt in den Hafen einige Stunden später passierte das Schiff eine Insel mit einer Befestigungsanlage namens Minas Anduin, die den Hafeneingang bewacht. Auf Minas Anduin, das über vierzig Meter über das Meer hinaus ragt, waren im Mittagslicht die glänzenden Rüstungen der Soldaten von Pelargir zu sehen, die ihre sechs Ballistae zur Stadtverteidigung immer bereit halten. Als das Schiff im Schatten des hohen Turms der See-Herren in Pelargir anlegte, wurde die Gruppe zur Überraschung aller Anwesenden von einer jubelnden Menge am Kai begrüßt. Scheinbar hatten sich Nachrichten und viele Gerüchte bereits in der halben Stadt verbreitet. Obwohl manche in der Gruppe etwas verlegen waren und sich fragten, ob sie die teilweise arg übertriebenen Gerüchte einfach so stehen lassen könnten, riet Romer dazu, sich nicht auf Einzelgespräche mit anwesenden Untertanen einzulassen. Stattdessen wurde die Gruppe zu einer hervorragenden Herberge im Nobelviertel der schönen Hafenstadt Pelargir geführt, die sehr prachtvoll eingerichtet war. Dort erwartete sie ein Festmahl, das sie in der Anwesenheit von Romer einnahmen. Gegen Ende des Festmahls traf eine Delgation des Senats der Stadt Pelargir unter der Führung des höchsten Repräsentanten und Vorsitzenden des Rats namens Vongoril, einem feinen Dúnadan aus Anórien, ein. Im Namen der Stadt dankten sie den Anwesenden Helden für ihre Dienste an Gondor und garantierten ihnen Gastfreundschaft und Unterkunft in Pelargir, wann immer sie die Stadt zu besuchen planten. Nach einem kurzen Nickerchen machte sich die Gruppe am späten Nachmittag auf die Reise nach Minas Anor, das 200 Kilometer nördlich auf der hervorragend ausgebauten und instand gehaltenen Rathon Gondor (Gondor-Straße) liegt. Auf der Reise, die mit der Kutsche und bei niedrigem Tempo und maximalem Komfort insgesamt fünf Tage dauert, kehrte die Gruppe mittags und abends in guten Gasthäusern ein. Alle Wirte bestanden darauf, die Gäste kostenlos zu bewirten, denn nur selten kehrt ein königlicher Herold mit Helden eines solchen Formats in ein Gasthaus ein. In beinahe jedem Ort trafen sie auf interessierte Menschen: Bauern, Mägde, Handwerker, Soldaten und feine Bürger. Die Reaktionen waren zumindest interessiert, meist jedoch freundlich und herzlich, manche sogar überschwänglich. Doch trotz des schönen Wetters und der angenehmen Reise, die sich mit fortschreitender Dauer langsam in einen Triumphzug verwandelte, fielen der Gruppe die Schäden auf, die Gondor in den zurückliegenden Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten zugefügt wurden. Obwohl kein lebender Mensch sich mehr an den Bürgerkrieg des mittleren 15. Jahrhunderts erinnerte, erinnerte an der Kreuzung des Erui ein großes Denkmal an die letzte entscheidende Schlacht von König Eldacar gegen Castamir den Usurpator, und die vielen tausenden von Toten, die der Bürgerkrieg insgesamt gekostet hatte. Viel greifbarer jedoch war die Große Pest, die vor zehn Jahren Gondor verheerte. In allen Orten, durch die die Gruppe reiste, sahen sie verlassene oder verfallene Häuser, Gräber, in denen ganze Familien ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten und Äcker, die nicht mehr bewirtschaftet werden. Manchmal erschien ihnen die Freude der Menschen bei ihrer Ankunft ebenso sehr als Reaktion auf ihre Taten, die sicherlich beachtlich aber nicht weltbewegend gewesen waren, wie als Reaktion auf die Trauer, die noch immer in den Herzen der Menschen fortlebte und vielleicht durch Ereignisse wie diesen Triumphzug kompensiert wurden. Am morgen des fünften Tages kam ihnen zu rechter Hand wieder der mächtige Anduin ins Sichtfeld. Zahlreiche Schiffe verkehrten auf der Lebensader Gondors. Zu linker Hand erstreckten sich nun die Gipfel des Weißen Gebirges, und an seinem östlichen Ende erstrahlte in voller Pracht der Mindolluin, der heilige Berg von Gondor, dessen weißer Gipfel von den Strahlen der im Osten aufsteigenden Sonne erleuchtet, in hellstem, beinahe überirdischen Glanz erstrahlte. Am Fuße des Mindolluin sahen sie Minas Anor, die Stadt der Sonne. Auf sieben gewaltigen Felsstufen war sie errichtet, von einer unüberwindbaren Mauer umringt, über 30 Meter hoch, dunkel, glatt und ohne sichtbare Fugen. Stufe um Stufe erhob sich die Stadt bis in schwindelnde Höhen, und ein hervor ragender Felsgrat wie der gewaltige Kiel eines Schiffes erstreckte sich gen Osten. Auf der östlichsten Spitze des Felsgrats stand der Turm von Anárion, dem ersten Herrscher der Stadt, und im Wind flatterte die Fahne von Gondor, 250 Meter hoch über dem großen und einzigen Stadttor. Die Straße nach Minas Anor hatte sich schon lange verbreitert, doch jetzt war sie so breit, dass vier Wagen nebeneinander fahren konnten und dennoch genug Platz für viele Fußgänger und Reiter blieb. Und sie war sehr voll. In der Entfernung konnten sie nun das gewaltige Stadttor von Minas Anor erblicken, das fünfzehn Meter breit und gewaltige 25 Meter hoch war. Die beiden titanischen Torflügel waren eineinhalb Meter dick und ihre Außenseite bestand aus faustdickem reinem Stahl. Doch Romer erzählte den staunenden Helden, dass dies nur das innere Tor sei und das äußere Tor, das durch einen fast zwei Meter breiten Spalt in der Torwand vor das innere Tor geschoben werden kann, noch viel stärker sei und vor 1700 Jahren vom letzten Noldor-König Gil-Galad von Lindon als Geschenk an die beiden Söhne von Elendil dem Langen gebaut und nach Gondor transportiert wurde. Vor der Stadtmauer stand eine ganze Stadt von Hütten und Häusern, in denen größtenteils fahrende Händler, Flüchtlinge und anderes Volk lebte, das keinen Besitz in Minas Anor selbst hatte. Auf dem großen Vorplatz war vor Menschen, Wagen, Waren und Tieren gar kein durchkommen. Die berittenen Soldaten, die sie die ganze Reise über begleitet hatten, konnten nur mit Mühe genug Raum für die Kutschen schaffen. Den anreisenden Helden fiel auf, dass alle Waren, die angeliefert wurden, entweder von den Ochsen- und Pferdekarren auf Handkarren umgeladen, oder durch gewaltige Seilzüge und Tragesysteme mit Kränen über die Stadtmauer gehievt wurden. Romer erzählte ihnen, dass in der Stadt keine von Pferden oder Ochsen gezogenen Wagen erlaubt waren, doch für das Gefolge des Königs, zu dem sie jetzt gehörten, gab es eine Ausnahme. So fuhren sie in die Stadt Minas Anor ein, und bis hierher hatten sich ihre Ankunft und ihre Taten bereits durchgesprochen. Kinder liefen neben ihren Wagen her, Frauen und Männer am Straßenrand winkten und viele riefen ihnen auch Grüße und Freudesbekundungen zu. Zu viele Eindrücke prasselten auf die Gruppe nieder, als dass sie sich all dies hätten merken können. Wie im Traum zogen Menschen, hohe und breite Stadthäuser und architektonische Meisterwerke an ihnen vorbei. Sie fuhren auf einer langen, schlangenförmigen Straße, die nach jeder Biegung den Felsgrat in einem langen Tunnel durchschnitt, die Stadt hinauf. Nach einer halben Stunde erreichten sie die sechste Ebene. Hier mussten sie alle aussteigen, und Romer erklärte ihnen, dass sie jetzt durch einen unterirdischen Eingang an den Unterkünften der königlichen Armee vorbei zur siebten Ebene hinaufgehen würden, auf der keine Pferde und keine Wagen erlaubt seien. Romer erinnerte sie daran, dass sie jetzt die innerste Festung Gondors und den Sitz des Zentrum der Macht des Reichs betraten. Er bat sie, ernst und würdevoll aufzutreten, denn nur wenige Menschen hätten Zutritt zu diesem Ort. Aus einem großen Tor traten sie auf den Hohen Hof, die siebte Ebene der Stadt. Als erstes kam ihnen eine große Steinstatue ins Blickfeld: ein großer Mann auf einem Pferd, der seinen langen Speer drohend in Richtung Osten reckte. Romer bemerkte ihre Blicke und erläuterte ihnen, dass es sich dabei um eine Statue von und Denkmal für Anarion, den Bruder Isildurs und jüngeren Sohn von Elendil dem Langen handelte, der seinen Speer drohend in Richtung von Barad-dûr, dem heute zerstörten Sitz Saurons in Mordor ausstreckt. Dahinter sahen sie drei große Gebäudestrukturen, die sich kreisförmig um das Zentrum des Platzes gruppierten. Der Platz selbst war mit makellosen weißen Steinplatten ausgelegt, doch konnte man sieben verschiedene große Rasenflächen zählen. Romer führte sie rechts um eines der großen Gebäude herum, und jetzt sahen sie in der Mitte des Platzes die geheiligte Halle von Isildur, wie ihnen erklärt wurde, eine sehr große Halle, deren silberweißes Kuppeldach nur von Granitsäulen getragen wird. Ihnen war jedoch nicht erlaubt, die Halle zu betreten. Die umstehenden Gebäude waren sehr groß und ihre Dächer ebenfalls von Säulen getragen. Doch hatten sie auch Säulengänge im oberen Stockwerk. Im Südosten, vor der großen Halle der Gäste, stand eine weitere große Steinstatue, und hierbei handelte es sich um Isildur, ein gewaltiges Monument für den Sohn Elendils, der den abscheulichen Sauron im Zweikampf besiegte. Doch dann betraten sie den Brunnenplatz, der östlich des Hohen Platzes lag, und in dessen Hintergrund bereits der riesige Königspalast und - ganz hinten - der hohe Turm von Anárion zu sehen war. Ein großer, runder Brunnen stand hier, und aus einer Marmor-Kugel, die so hellweiß war, dass sie beinahe durchsichtig erschien, entsprang ein hoher Wasserstrahl, der zwanzig Meter in die Höhe schoss, bevor er sich in einem ewig variierenden Spiel von tanzenden Wassertropfen in das Becken ergoss. Dann erblickten sie den Weißen Baum von Gondor, der für die meisten Menschen nur eine kraftvolle Legende ist, denn wenige Sterbliche haben die Ehre nach Minas Anor reisen und leibhaftig vor dem Weißen Baum von Gondor stehen zu dürfen. Hier verweilten sie für eine kurze Zeit voller Staunen und Wunder. Der Baum war noch jung, denn der ursprüngliche Weiße Baum von Minas Anor starb vor zehn Jahren in der Großen Pest. König Tarondor fand jedoch einen Setzling des Baumes, und alle Menschen sahen darin ein Zeichen für die Fortdauer des Königshauses und des Reichs in jenen schlimmen Stunden, als beinahe die gesamte Königsfamilie der Pest zum Opfer fiel und das Reich im Chaos zu versinken drohte. Der Weiße Baum war kaum fünf Meter hoch, aber von unendlicher Schönheit. Seine Rinde war makellos weiß und seine großen Blätter waren auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite glänzend silbrig. Viele Äste ragten hinüber zum Brunnen, und das Wasser der Quelle fiel in silbrigen Tropfen auf die Blätter des Baums nieder, wo sie in der Sonne glänzen. Weil die Helden ihre Blicke nicht von diesem Naturwunder abwenden konnten, sprach Romer ein paar Worte zur Erklärung: "Dies ist der Weiße Baum von Gondor, ein Abkömmling des ersten Weißen Baumes, der in der Großen Pest verstarb. Diesen pflanzte Isildur mit einer Frucht des Weißen Baums von Minas Ithil, der von den verfluchten Horden Mordors im Krieg der Letzten Allianz vernichtet wurde. Doch jener wiederum war als Setzling von Elendil und seinen Söhnen aus Númenor gerettet worden, wo Sauron der Verderber Nimloth, den Weißen Baum von Númenor auf einem Feuer, das Morgoth, dem Schwarzen Feind der Welt gewidmet war, verbrannte. Nimloth jedoch war ein Setzling von Celeborn und dieser von Galathilion, die beide in Valinor wuchsen. Der Weiße Baum von Gondor stammt also in direkter Linie von Telperion, dem silbernen Baum von Aman ab, der in den Zeitaltern vor der Schaffung von Sonne und Mond in der Nacht die Welt erleuchtete. Kein Wesen kann vor diesem Baume stehen und ungerührt von seiner Schönheit und edlen Abstammung aus den Unsterblichen Landen bleiben. Jeder Gondorianer, der sich selbst als loyal gegenüber der Linie der Könige von Gondor empfindet, würde ohne zu zögern sein Leben geben, um diesen Baum vor Schaden zu bewahren. Ich selbst jedenfalls würde nicht zögern, ihn mit meinem Leben zu verteidigen. Folgt mir nun zur Hohen Halle, der König erwartet euch bereits." Noch immer erstaunt und von der Schönheit des Weißen Baumes gerührt, folgten die Helden Romer auf dem Weg zur Hohen Halle. Tarikh sagte zu den anderen, wie schade es für Thalon war, dass er jetzt nicht dabei sein konnte und unbeweglich in einem Bett in Pelargir liegen musste. Der Königspalast war eines der größten Gebäude der ganzen Stadt. Er wurde errichtet aus kräftigem, dunklen Gestein. Der Architekt der Hohen Halle wollte offensichtlich in jedem Betrachter Respekt und Bewunderung vor der altehrwürdigen Linie und der Macht der Könige von Gondor erwecken, und dies gelang ihm mit diesem Bauwerk zweifellos bei jedem Betrachter. Allein das untere Stockwerk schien über zehn Meter hoch zu sein, und darüber lag ein zweites Stockwerk, das nicht viel weniger hoch war, dafür aber über große, wunderschön farbige Fenster verfügte. Sie konnten am Westende keinen Eingang sehen, und Romer führte sie links an der Hohen Halle vorbei, zwischen wunderschönen Blumenbeeten, auf einem Weg aus makellosem weißem Stein. Am Wegesrand standen silberne Laternen, die des Nachts von Königsdienern angezündet wurden. Doch jetzt strahlte die Sonne fast auf Mittagshöhe, und durch die niedrigen Fenster auf der Nordseite der Halle fiel das Sonnenlicht vor ihre Füße. Am anderen Ende der Halle, nach einem Fußweg von fast zweihundert Metern, standen sie zwischen dem Turm von Anárion an der Ostspitze der Stadt und dem Eingang zur Hohen Halle. Vom Turm aus führte eine steinerne Brücke zu einem zweiten Eingang der Halle, der im Ersten Stockwerk war. Doch ihr Blick wurde gefangen durch den Haupteingang, der aus einer neun Meter hohen und drei Meter breiten doppelflügeligen Tür bestand. Keine Verzierungen lenkten den Blick des Betrachters ab. Vor dem Tor standen fünf Mitglieder der Königlichen Garde zur Wache. Über ihren Plattenrüstungen trugen sie schwarze Überwürfe mit silbernen Rändern und als Wappen die Krone von Gondor, über der sieben silberne Sterne funkelten. An ihren hohen Silberhelmen trugen sie große weiße Flügel. Lautlos öffneten sich beide Flügel des Tores und die Gruppe betrat unter der Führung von Romer einen langen Gang. Sechzig Meter gingen sie durch diesen Gang, der über zehn Meter hoch zu sein schien und sieben Meter breit. Die Wände und der Fußboden waren durch nichts verziert, der Stein makellos gefügt. Als sie am Ende des Flurs ankamen, öffneten sich lautlos die beiden Türflügel und plötzlich standen sie in der Hohen Halle, dem Thronsaal des Königs von Gondor. Der Thronsaal war gewaltig und ehrfurchtgebietend, aber kaum verziert oder geschmückt. Geprägt durch die Farben schwarz und grau sowie Andeutungen von Gold und anderen Farben in den oberen Höhen, fiel der Blick der Gruppe umso stärker auf die hohen Säulen, die in der Höhe in der Dunkelheit zu verschwinden schienen. Achtzehn gewaltige Säulen standen in Zweierpaaren in perfektem Abstand zueinander in der Halle, und am Ende des Saales, in weiter Entfernung, über hundert Meter weit entfernt, führten acht Stufen zu einem gewaltigen Thron hinauf, als wäre er für Riesen gemacht. Über dem Thron hing ein gewaltiger Helm aus Stein, der ähnlich wie die Helme der Königsgarde geformt war, hoch und spitz. Doch eine Krone saß auf dem steinernen Helm. Dahinter war in die hoch aufragende Wand mit hellen, funkelnden Edelsteinen der Weiße Baum von Gondor in seiner vollen Blüte eingelassen. Auf den Stufen unterhalb des Throns standen kleine Gestalten, deren Gesichter aus der Entfernung kaum auszumachen waren. Auf dem Thron saß der mächtige König von Gondor. Romer ging mit festem Schritt in Richtung des Throns. Zwischen den Säulen und an den Rückwänden der Halle erkannte die Gruppe durch das Licht der niedrigen Fensterschlitze zahlreiche große Statuen aus dunklem Marmor, die vergangene Könige von Gondor darstellten. Als die Gruppe die unterste Stufe erreicht hatte, sprach Romer: "König Tarondor, mein Fürst und Gebieter, vor Euch stehen der Elb Garelion vom fernen Düsterwald, der früher Grünwald der Große hieß, Tham Gunrar aus der nördlichsten Provinz von Gondor in seiner größten Ausdehnung, Dorwinion, dem vorzüglichen Land der Weine, Folyavuld in der Sprache seiner Einwohner gerufen; desweiteren Calorn Marthor, ein Gelehrter aus Ithilien, sowie Eure Soldaten Feldrin von Minas Ithil und Tarikh do'Akhil aus Harondor. Ihr tapferer Gefährte Thalon konnte den Rest der Reise von Pelargir aus nicht antreten, da er zu schwer durch den Feind verwundet worden ist. Sie bringen euch Botschaft von ihren Taten, die solch unterschiedliche Ereignisse wie die Errettung eines in Gefangenschaft geratenen Soldaten und Gesandten Gondors, die Vernichtung einer Ork-Armee südlich unserer Grenzen, die Bewahrung zweier mächtiger Artefakte vor den Händen der Feinde von Gondor, die Vernichtung des Drachen Lóki, der aus dem Norden gekommen war, um Ungemach über unsere Länder zu bringen, und die Aufdeckung eines Komplotts zum Umsturz unserer Herrschaft über die Insel Tolfalas umfassen. Sie erscheinen hiermit - wie von Euch befohlen - zur Mittagsstunde des heutigen Tages und in Gala-Uniform des Heeres von Gondor, vor eurem Thron, o König von Gondor." Daraufhin verneigte sich Romer und trat einige Schritte zurück und die Gruppe sah König Tarondor, wie er auf seinem Thron saß. Tarondor selbst war nach den Maßstäben der Dúnedain mit Mitte 50 noch ein recht junger Mann. Er hatte schulterlanges, schwarzes, fein gekämmtes Haar und trug auf seiner Stirn einen einfachen Reif mit einem großen, durchsichtigen Edelstein. Seine Kleidung war fein, aber nicht prunkvoll und spiegelte seinen pragmatischen Charakter wider. Seine bevorzugten Farben waren weiß, grau und dunkelblau. In seiner direkten Nähe standen zwei Männer, die wohl seine engsten Berater waren. Links stand ein stattlicher Dúnadan im mittleren Alter, der eine militärisch-strenge Ausstrahlung hatte. Rechts steht ein Mann, der offensichtlich ein Gelehrter sein musste, denn er war fein gekleidet und zeigte keinerlei Spuren von körperlicher Ertüchtigung oder Kampf. Auch seine Kleidung war ganz zivil. Er trug eine lange, schwarze Robe. Mit einer kräftigen, jugendlichen und wohlklingenden Stimme ergriff Tarondor das Wort: "So denn, erzählt mir alles, was ihr erfahren habt, aber fasset euch kurz!" Nachdem die Gruppe ihre wichtigsten Erlebnisse und Taten wiedergegeben hatte, ergriff Tarondor wieder das Wort: "Dies sind interessante, erfreuliche und gleichsam bedrohliche Neuigkeiten für uns. Die Macht von Gondor ist herausgefordert worden, und ich bin dankbar, dass ihr in Zusammenarbeit mit vielen anderen so erfolgreich den Frieden wiederhergestellt habt. Gleichsam bedrückt mich der Umstand, dass dieser Rädelsführer namens Hismir entkommen sein soll. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass ein solcher Verräter unseres Volks weiterhin frei und unerkannt unter uns weilen mag. Dennoch soll uns dieser Umstand nicht die Laune trüben. Einen stattlichen Sieg habt ihr für uns errungen! Und dafür gebührt euch meine Dankbarkeit und mein Respekt. Zur Anerkennung eurer Taten sollen euch folgende Belohnungen zuteil werden. Drégon, der Anführer der Gilde der Rüstungsmacher, soll sich persönlich darum kümmern, dass aus Haut und Horn des erschlagenen Drachen Rüstungen von höchster Qualität gefertigt werden sollen. Die Früchte seiner Arbeit sollen von euch nach Belieben verwaltet und im Kampf gegen die Feinde Gondors eingesetzt werden. Tarikh do'Akhil und Feldrin von Minas Ithil sollen fortan den Rang des Thangon (S. "Kapitän") der Armee von Gondor bekleiden. Beachtet jedoch, dass dieser Aufstieg nicht nur neue Rechte, sondern auch schwere Bürden mit sich führen wird! Sie erhalten zudem von mir das unveräußerliche Recht, sich nach dem Ende ihrer Militärlaufbahn auf einem freien Gutshof ihrer Wahl in einer Grenzregion des Reichs niederzulassen, solange sie sich verpflichten, das Land nach besten Kräften zu bestellen oder von ihren Dienern, Knechten und Mägden bestellen zu lassen. Calorn Marthor und Thalon, der Verwundete, erhalten das Recht sich schon jetzt einen Wohnsitz zu erwählen, sei es auf dem Lande oder in einer der Städte Gondors. Tham Gunrar sei das gleiche Recht beschienen, jedoch sagt mir mein Herz, dass er bald zu seinem eigenen Volk im Norden zurückkehren möchte. Doch vielleicht will er seinen Wohnsitz ja dort innerhalb meines Einflußbereichs erwählen? Den Elben Garelion, Angehöriger des schönen Volks von Thranduil, dem Elbenkönig, kann ich wohl mit einem solchen Geschenk nicht beeindrucken. Ich weiss, dass euer Volk die Lebensweise der Menschen nicht teilt und andere Dinge im Sinn hat. Vielleicht möchte er ja als Gesandter seines Volkes bei mir in meiner Stadt wohnen? Ihm ist der Zugang zu meinem Hof gewiß, wenn König Thranduil diesem Unterfangen seinen Segen erteilt. Doch unabhängig davon sei jedem der hier Genannten und auch dem wackeren Thalon ein Goldschatz im Wert von 1.000 Goldstücken unserer Prägung verliehen, mit dem er nach seinem Ermessen und im Sinne Gondors verfahren soll. Doch haltet ein! Ich bin noch nicht fertig. Sicher ist euch nicht entgangen, was jedem Reisenden in Gondor heute offenbar erscheint. Die Wunden, die unsere Feinde uns geschlagen, sie reichen tief. Jeder dritte Mann, jede dritte Frau und jedes dritte Kind ist vor nicht einmal zehn Jahren der Großen Pest, dem größten Unglück unserer Tage, zum Opfer gefallen. In den Jahren davor haben wir eine Reihe schwerer militärischer Niederlagen gegen unseren schlimmsten Feind, die verfluchten Korsaren von Umbar, erlitten. Die Meere, die einstmals unserem Kommando unterstellt waren, sind nicht mehr sicher, und heute fehlen uns an allen Orten wackere Männer und Frauen, die unseren Feinden Einhalt gebieten und unsere Wirtschaft zum Erblühen bringen könnten. Umso verständlicher ob all dieser Kränkungen und Schmähungen unserer einstigen Macht muss uns die Reaktion der einfachen Menschen auf eure Taten erscheinen. Die Menschen unseres Landes dürsten nach besseren Zeiten, jetzt, da wir nur kurze Zeit nach unserer dunkelsten Stunde seit dem zerstörerischen Sippenstreit zu leben scheinen. Die Menschen achten und verehren Männer wie euch und sehen eure Taten als frohe Vorboten für bessere Zeiten. Ich will das meinige dazu beitragen, dass die Hoffnung unseres Volkes genährt und am Leben erhalten bleibt. Und daher möchte ich euch bitten - ja auch euch Tham Gunrar, dessen Land heute fast außerhalb der Reichweite meiner beschützenden Macht liegt, und auch euch Eldarion aus dem Düsterwald, der ihr nicht meinem Kommando untersteht - euch für eine besondere Aufgabe zur Verfügung zu stellen, die schwer - wenn nicht unmöglich - zu erreichen scheint. Ich bitte euch, das Kommando über eine entlegene Region unseres Landes zu übernehmen. Es ist Tradition in unserem Lande, dass nur diejenigen von hohem Geblüt solche Aufgaben übernehmen. Doch bin ich der Ansicht, dass es nicht nur einen Adel der Herkunft gibt, sondern gerade in den heutigen schweren Zeiten auch einen Adel der mutigen Tat. Und wenn ihr auch nicht in erstere Kategorie fallt, so doch unzweifelhaft in letztere. Daher übertrage ich euch das Kommando über Barad Ecthelion, einen wichtigen Außenposten an der östlichsten Grenze von Harondor, unserer Südprovinz. Dort warten große Aufgaben auf euch. Die Festung grenzt an die Länder Chelkar und Haruzan, die immerzu umstritten gewesen sind zwischen Gondor und Khand, dem Land der grausamen Variag-Reiter. Eure Aufgabe wird sein, die Wunden, die diese Region durch die jüngere Geschichte erlitten hat, zu heilen, das Leben aufrecht zu erhalten, den Zugang und die Durchreise für Händler unseres Landes zu sichern, den Zoll und den Zins zu erheben, die schädlichen Einflüsse dunkler Kulte und feindlicher Prinzen der Haruze zu mindern, jegliche Ränke zum Umsturz unserer Macht im Süden zu vereiteln und nicht zuletzt den Einfluß der schändlichen Korsaren von Umbar zu begrenzen und einzudämmen, den jene in dieser Region auszuüben gedenken. Damit ihr dieses Ziel erreichen könnt, unterstelle ich euch eine kleine Schar meiner Soldaten sowie einige Schreiber und Beamte, die euch in eurer täglichen Aufgabe unterstützen sollen. Doch bedenket, dass nicht im Einsatz der Waffengewalt die größte Aussicht auf Erfolg liegen muss! Tham, Eldarion und Calorn, ich kann euch nicht Befehl erteilen, darum bitte ich euch, diese Aufgabe anzunehmen. Tarikh und Feldrin jedoch könnte ich Kraft meiner Autorität dorthin versetzen, aber mir ist daran gelegen, dass ihr euch freiwillig für diese Aufgabe meldet. Sagt, wollt ihr meiner Bitte entsprechen und den Befehl über unseren Außenposten übernehmen?" Nachdem die Gruppe das Angebot angenommen hatte ergriff Tarondor noch einmal das Wort: "Ich danke und entlasse euch mit den besten Wünschen und meinem Segen. Möget ihr den Reichtum Gondors mehren und Schaden von unserem Land abwenden. Meine Diener werden euch in eure Aufgabe einweisen und euch das nötige Material zur Verfügung stellen. Ihr seid entlassen!
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