Posted in 15. January 2006 ¬ 19:00h.Marcus
“Braveheart” scheint mir der Prototyp für zwei spätere, sehr kontrovers aufgenommene Filme Gibsons zu sein: “The Patriot” und “The Passion of the Christ”. Die Storyline von “The Patriot” folgt anfangs sogar sehr genau der Chronologie von “Braveheart”: Ein einfacher, aufrechter Mann mit Familiensinn will ungeachtet der anhaltenden Unterdrückung seines Volkes durch die Engländer ein bescheidenes Familienleben führen, wird dann jedoch auf brutalste und gemeinste Weise durch die Besatzer herausgefordert und nimmt den Kampf um die Freiheit seines ganzen Volkes auf.
Abgesehen von den historischen Ungenauigkeiten, für die der Film in der Öffentlichkeit schon hinreichend gegeißelt wurde, stört mich vielleicht vor allem die undifferenzierte Verteufelung des Gegners – in diesem Falle wieder einmal der Engländer, die in Mel Gibsons Weltbild eine ganz fiese imperialistische Rolle zu spielen scheinen.
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Posted in 7. January 2006 ¬ 00:32h.Marcus
Das ist ein Vietnam-Song. Gibt’s für unseren Krieg nicht einmal ein eigenes Lied?
In seinem Kern ist Jarhead ein Kriegsfilm über Kriegsfilme. Er beginnt mit einer Hommage an “Full Metal Jacket”, zeigt eine Aufführung von “Apocalypse Now” vor einem Rudel aufgestachelter Marines und wenn ich “Platoon” gesehen hätte (oder mich erinnern würde), dann würde ich sicher auch Anspielungen auf diesen Film finden. “Jarhead” reflektiert über die in unserer Kultur verankerten Vorstellungen, wie ein Krieg beschaffen ist, was dazu gehört und was nicht, und wie die gezeigten Filmfiguren damit umgehen. Als Meta-Kriegsfilm funktioniert er somit hervorragend.
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Posted in 4. January 2006 ¬ 02:21h.Marcus
Mir hat The Rules of Attraction gefallen. Er ist das genaue Gegenstück zu den allgegenwärtigen College-Komödien: ein gemeiner, desillusionierender und zeitweise verstörender Film, was für sich allein genommen natürlich kein Qualitätsmerkmal ist. Portraitiert wird eine Gruppe von jungen Menschen, die keine Gemeinschaft ist. Alle kämpfen für sich allein, jeder denkt nur an die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse. Keiner hat einen Blick für die Nöte des anderen Menschen. Wirkliche Liebe existiert in diesem Film nicht, es sei denn als Projektion eines Verstandes, der von Drogen fiebrig geworden ist. Vorstellungen von Liebe, die vielleicht aus irgendwelchen kulturellen Überlieferungen bezogen wurden, werden lückenhaft und wahllos auf irgendwelche Menschen projiziert. Es ist die Hölle auf Erden, die dort dargestellt wird. Selbst der Tod von Menschen, die diesem Wahnsinn nicht standhalten, erschüttert oder weckt niemanden, bewirkt rein gar nichts.

Desillusionierung nach dem Drogentrip
Kritisieren könnte man, dass solche Filme mit ihrer Portraitierung einer völlig verlotterten Gesellschaft vielleicht Wasser auf die Mühlen von erzkonservativen Moralisten sein könnte. Schließlich wird hier ein mutmaßlich liberales Ostküstencollege vorgeführt, mit all seinem Atheismus, seinem zügellosen Materialismus sowie dem Fehlen von integrierend und erzieherisch wirkenden Vaterfiguren und jeglicher sinnstiftender Transzendenz.
Letztlich läßt einen dieser Film etwas ratlos zurück. Man kann nur froh sein, dass man besser lebt als diese Menschen.
Nun noch eine kleine Randbemerkung: Sean Bateman aus “Rules of Attraction” ist der kleine Bruder von Serienkiller Patrick Bateman aus “American Psycho”. In mehreren Szenen des Films erwähnt Sean seinen Bruder. Die Batemans sind wohl die unsympathischste Familie der Filmgeschichte! James Van Der Beek – bekannt als Dawson aus der Fernsehserie “Dawsons Creek” – macht zudem als Kotzbrocken eine weitaus interessantere Figur als als Muttersöhnchen und Everybodys Darling. Ich würde ihn gerne öfter in solchen Rollen sehen.
Posted in 19. December 2005 ¬ 18:17h.Marcus
Wenn ich mir selbst nach dem Genuß von King Kong die Frage stelle, ob es ein guter und unterhaltsamer Film war, ob er mich für über drei Stunden in seinen Bann gezogen hat, ob er meine Erwartungen erfüllt hat, dann kann ich alle diese Fragen eigentlich nur mit “ja” beantworten. Der Film hat einige Längen, einige völlig irrsinnig übertriebene Action-Sequenzen und auch eine gewisse Ladung Kitsch auf dem Buckel, doch wenn man dazu bereit ist, wenigstens ein einziges Mal eine “fünf” gerade sein zu lassen, dann wird man darüber hinwegsehen können. Was dann bleibt ist der Eindruck, drei Stunden hervorragendes Kino erlebt zu haben. Die Leistungen der Darsteller sind überzeugend, der Plot scheinbar zeitlos und die allermeisten Special Effects sehr überzeugend.
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Posted in 1. November 2005 ¬ 20:11h.Marcus
Ein Beitrag von November 2005:
Angespornt durch eine anderswo geführte Debatte über Kunst und Kommerz habe ich heute zum ersten Mal seit zwei oder drei Jahren wieder The Matrix geguckt. Was oft übersehen wird ist, dass dieser Film voller augenzwinkernder Ironie ist, dass sich jede Szene nahtlos und folgerichtig in die vorangegangene Szene einfügt und dass er von seiner Story her hervorragend konzipiert ist, auch wenn die Wachowski Brüder sich natürlich ganz ähnlich wie Tarantino schamlos bei zahlreichen Quellen bedienen.
Der Film spielt meisterhaft auf der Klaviatur der bewußten und unterbewußten Zuschauerbedürfnisse. Der Aufbau von Mister Anderson zum übermächtigen Neo wirkt unter anderem deshalb so stark, weil der Zuschauer mit aller Macht in eine Identifikation mit Neo gedrängt wird. Letztlich handelt es sich um eine symbolische Ermächtigung des Zuschauers. Das Unbehagen des modernen Menschen an seinem Dasein in einer technisierten, von wahrem Individualismus weitgehend bereinigten Welt wird hier direkt angesprochen: Das Gefühl, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte oder sein könnte, und das Gefühl, dass man selbst für höhere Dinge berufen ist. Letztlich ist The Matrix auf diesem symbolischen Level die gleiche Geschichte wie Fight Club, einem weiteren Film, der wie kein zweiter das (Selbst-)Bewußtsein der jugendlichen bis frühadulten Kinogängergeneration der 90er und frühen 2000er geprägt hat. Auch hier haben wir es mit einem Helden zu tun, der ein langweiliges Leben führt, und der in einem manchmal schmerzhaften Erweckungsprozess zu seiner wahren Bestimmung findet und sich letztlich weit über das graue Alltagsleben erhebt.
Letztlich finde ich mich in meiner Ansicht bestätigt, dass The Matrix Filmkunst ist, die man immer wieder auf’s Neue konsumieren kann, ohne dass einem dabei langweilig wird. Der Film funktioniert sowohl auf einem sehr niedrigen Unterhaltungslevel als auch unter den Bedingungen gedanklicher und theoretischer Abstraktion. Er ist zudem handwerklich fast perfekt gemacht und verfügt über einen hervorragenden Soundtrack. Für mich weiterhin neben Filmen wie Pulp Fiction und dem oben erwähnten Fight Club einer der wichtigsten Filme der 90er Jahre.
Posted in 26. October 2005 ¬ 11:18h.Marcus
David Cronenberg ist nicht dafür bekannt, leicht verdaubare Filme zu machen. Diesem Image wird er in seinem neuesten Werk gerecht, ohne dabei jedoch allzu deutlich an die Surrealität früherer Werke wie eXistenZ anzuknüpfen.
A History of Violence ist die Geschichte des kleinstädtischen Restaurantbesitzers Tom Stall, seiner Ehefrau Edie, seines jugendlichen Sohnes Jack und seiner kleinen Tochter Sarah. Ihre liebliche Alltagsidylle wird eines Tages gestört, als zwei Räuber Toms Restaurant überfallen und Tom dabei ungeahnte kämpferische Fähigkeiten und Killerinstinkt beweist, indem er in dieser brenzligen Situation beide Räuber kaltblütig ausschaltet und einen mit einem gezielten Kopfschuß tötet. Daraufhin wird Tom für kurze Zeit zum Medienheld und Idol seiner Stadt, die ihn als “American Hero” feiert. Doch die ungeliebte Popularität hat zur Folge, dass kurze Zeit später drei Mafiosi in der Stadt auftauchen und Tom für den untergetauchten Mafiaboss Joey Cusack halten. Sie wollen ihn zu seinem Bruder Richie nach Philadelphia bringen, wo es noch alte Rechnungen zu begleichen gibt. Doch Tom leugnet mit diesem Joey identisch zu sein. So kommt es zum gewaltvollen Showdown mit dem von Ed Harris gespielten Mafiosi und seinen Leibwächtern. Als später jedoch Richie Cusack anruft und Tom androht selbst vorbei zu kommen, stellt sich Tom seiner Vergangenheit, vermutlich um die Leben seiner Familie zu schützen und sie aus der Sache herauszuhalten.
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Posted in 19. August 2005 ¬ 10:31h.Marcus
Ich war gestern mit einigen Freunden in Sin City. Der Film hat mich tief beeindruckt, aber auch zu einigen kritischen Gedanken angeregt. Ich will jetzt mal die Jubelorgie ob des eindrücklichen und gelungenen Stils, der teilweise gerade in ihrer ausdrücklichen Klischeehaftigkeit gelungenen Charakterdarstellungen und der interessanten Verknüpfung von Gewaltexzessen und Humor überspringen. Das ist jetzt mal alles geschenkt.
Was mir im Nachhinein auffällt ist die desillusionierte Darstellung der urbanen Lebensform. Städte sind ja die Wiege und das Zentrum aller menschlichen Zivilisation. Wenn nicht irgendwann mal jemand auf die Idee gekommen wäre, sich mit einer ganzen Menge von Leuten auf einem ziemlich kleinen Flecken Land anzusiedeln, Handel zu treiben und zugleich den Pflug in die Ecke zu stellen, dann würden wir heute vielleicht alle noch immer mit unseren Händen im Dreck wühlen, und von Zeit zu Zeit würde jemand von einem bösen Wolf vom Acker weggefressen. Filme wie “Sin City” hingegen verleihen der tiefe Ambivalenz vieler Menschen gegenüber der urbanen Lebensform an und für sich Ausdruck. Die Stadt erscheint als Ungetüm, als Dschungel, in dem es nur Fressen oder Gefressen werden gibt – im wahrsten Sinne des Wortes, denn in einer Episode wird ja ein moderner und mordender Kannibale thematisiert.
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Posted in 15. August 2005 ¬ 10:52h.Marcus
Ich habe mir jetzt (endlich) Giganten mit Elizabeth Taylor, Rock Hudson und James Dean angeschaut. Ein netter Mensch hat mir die DVD geliehen, die allerdings lange Zeit ungenutzt und ungesehen bei mir herumlag. Gestern war ein träger Sonntag, draußen schwankte das Wetter zwischen Sonnenschein und Regenschauern, außerdem war ich noch etwas geplättet von einem abendlich-nächtlichen Ausflug ins tiefste Ruhrgebiet. Beste Bedingungen also, um die Rolläden herunterzulassen und den ganzen Nachmittag auf der Couch einen Film mit epischer Überlänge von 193 Minuten zu gucken.
Ich vermute mal, dass Giganten aus kinogeschichtlicher Perspektive betrachtet sicher der bedeutendste Film ist, in dem Rock Hudson mitgespielt hat. Ich kenne ihn sonst nur aus den seichten Komödien mit Doris Day. Ich habe letztens noch mal aus Versehen in eine dieser Komödien hineingezappt, und der Anti-Emanzipationsfaktor könnte nicht größer gewesen sein, wenn Rock seiner Doris aufgrund seines angeblich nahe bevorstehenden Todes erklären will, was eine Hypothek ist, diese jedoch fröhlich debil und ohne große Selbstironie erklärt, dass sie als Frau sowas ja gar nicht wissen müsse.
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Posted in 8. August 2005 ¬ 13:55h.Marcus
Der Film geht unter die Haut. Allein schon die Eröffnungssequenz läßt einem das Blut in den Adern gefrieren. Wir erleben die Geschehnisse hauptsächlich durch die Augen eines jungen sowjetischen Wehrdienstleistenden (gespielt von Jude Law), der anfangs zusammen mit hunderten weiteren unerfahrenen Rekruten in Viehwagons an die Front gekarrt wird. Am Fluss von Stalingrad öffnen sich die Wagontüren, und wir sehen nur die Gesichter der Neuankömmlinge: völlige Panik, Angst und Verzweiflung. Wir hören zwar das Gedonner der Front, aber wir sehen nur diese Augen und panikverzerrten Gesichter. Wie die Viecher vor der Schlachtbank versuchen sich einige zu drücken, die anderen taumeln völlig desorientiert aus den Eisenbahnwagons. Andere Soldaten, deren Aufgabe es ist, die Neuankömmlinge auszurüsten und an die Front zu bringen, zwingen die Rekruten mit Waffengewalt, Geschrei und viel Gewalt raus. Dann sehen wir, wohin die Reise geht: die Soldaten müssen auf kleinen Booten vollgezwängt über den Fluss, der unter ständigem Artilleriebeschuss und Flugzeugangriffen der deutschen Wehrmacht steht. Im Hintergrund sieht man die brennenden Ruinen von Stalingrad. Die Rekruten werden in die Boote getrieben, die Boote legen ab, in einer endlosen Kette über den Fluss. Ständig werden Boote versenkt, deutsche Flugzeuge greifen im Tiefflug an und zerfetzen mit ihrem Kugelhagel reihenweise Boote und Menschen. Viele der russischen Soldaten wollen fliehen, indem sie sich in die Fluten stürzen, doch sie werden durch ihre Aufseher in den Rücken geschossen, um eine Massenflucht zu verhindern.
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Posted in 4. August 2005 ¬ 01:37h.Marcus
Spike Lee brüstet sich in einem Filmspecial mit der Tatsache, dass “25th Hour” der erste Film sei, der die Terroranschläge des 11. September 2001 filmisch aufarbeitet, oder besser gesagt: thematisiert. Nun gut, hier stellt sich für manche vielleicht die Frage, wer Spike Lee überhaupt ist. Manche kennen ihn vielleicht von seinem biographischen Film “Malcolm X” her, der Verfilmung des Lebens von Martin Luther Kings “bösem Zwillingsbruder”, einem Aktivisten der “Nation of Islam” und Vordenker der “Black Panther Party for Self-Defence”. Spike Lee ist selbst Afroamerikaner und hat sich in seinem filmischen Werk bisher vor allem um die Darstellung der Lebensumstände und Milieus dieser amerikanischen Minderheit verdient gemacht. Mit “25th Hour” hat er seinen Fokus insofern erweitert, als dass nun ein größerer Teil der amerikanischen Gesellschaft portraitiert wird.
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