Posted in 14. June 2008 ¬ 00:12h.Marcus
David Fincher (Sieben, The Game, Fight Club) hat es geschafft einen geradezu antiklimaktischen Film zu drehen, dessen Dramaturgie ausgetretene Erzählpfade verlässt, unsere vielfach in eine bestimmte Richtung getrimmten Sinne verwirrt, uns am Ende auch noch eine Katharsis verweigert, und der dennoch niemals langweilig wird. Was hier wie die Quadratur des Kreises klingt ist ein höchst interessanter Kriminalfilm jenseits beliebter und gefürchteter Filmklischees, dessen Reiz gerade auch in der langen Zeitspanne von 22 Jahren verborgen liegt, die seine Handlung umfasst.
Die Geschichte des Hobbydetektivs und hauptberuflichen Karikaturisten Robert Graysmith wäre die perfekte Steilvorlage für eine klassische Hollywood-Romanze: sympathischer Mann trifft intelligente, sanftmütige und hübsche Frau, sie verlieben sich, und über die Obsession des Mannes mit seinem Hobby zerbricht die Beziehung. Und dennoch schafft es Fincher, diese Geschichte mit einem Understatement ganz nebenbei zu erzählen, das einfach sagenhaft ist. Nur bruchstückhaft erfahren wir die Grundzüge dieses Melodrams, und die Details fallen heraus. Wir können sie uns sowieso denken, denn diese Geschichte wurde uns schon hundertmal erzählt. Das ist sehr intelligent von Fincher, denn so bleibt seine Geschichte verschont von den typischen Storyvehikeln der Zuschaueridentifikation.
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Posted in 9. May 2008 ¬ 20:07h.Marcus
Entgegen seinem dämlichen deutschen Verleihtitel, der nach einer drittklassigen Klamotte klingt, ist “Die Hollywood-Verschwörung” ein Kriminalfilm im Stile des “Film Noir” der 40er und 50er Jahre. Passenderweise spielt er auch gegen Ende der 50er Jahre und handelt von dem angeblichen Selbstmord des Superman-Fernsehdarstellers. Im Verlaufe der Geschichte eröffnen sich immer neue Perspektiven auf die mysteriösen Vorgänge, der Fokus der Ermittlungen des Privatdetektivs Louis Simo (gespielt von Adrian Brody) wird immer weiter, bis man sich die wildesten Verschwörungen vorstellen kann.
Alan Coulter schafft es, eine verwirrende Geschichte ohne Knalleffekte spannend zu erzählen, wobei die zahlreichen hervorragend besetzten Haupt- und Nebenrollen facettenreich herausgearbeitet werden. Letztlich ist dieser Film natürlich eine Metapher für das System Hollywood und die Art und Weise, wie Menschen (oder Zuschauer) aus einfachen, objektiv zusammenhanglosen Anhaltspunkten kohärente Geschichten formen, wie sich im Kopf des Rezipienten aus Bildern, Reden und reinen Mutmaßungen Geschichten formen.
Wer das Genre des Film Noir mag und sich für die Optik der 40er und 50er Jahre erwärmen kann, der möge sich diesen schönen, kleinen Film anschauen. Selbst Ben Affleck überzeugt in seiner Rolle als Supermandarsteller und sorgt für einige Lacher und wohlwollendes Kopfnicken.
7,5 von 10 Clark-Kent-Brillen
Posted in 16. July 2007 ¬ 09:28h.Marcus
Wir haben gestern The Proposition gesehen, einen Outback-Western, dessen Musik und Drehbuch von Nick Cave stammt. Wunderschön gefilmt, eine schön dreckige Westernhandlung und frische Gesichter. Das hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich negativ anmerken muss, dass die deutsche Synchro in einigen Dialogen etwas schwülstig herüberkam. Das mag im Original besser gelungen sein, werde ich so bald aber nicht nachprüfen können. An manchen Stellen drohte die Handlung ins Prätentiöse abzugleiten, und man könnte noch kritisch anmerken, dass das Westerngenre vielleicht etwas zu glatt nach Australien verlegt wurde. Ersetze “Indianer” durch “Aborigines” und “U.S. Cavalry” durch “Englische Kolonialsoldaten”, fertig ist das Westerngericht.
Trotz der kleinen Einschränkungen handelt es sich um einen sehr guten Genrefilm, und wer vor einigen sehr harten Gewaltszenen keine Angst hat, der wird durch ein äußerst atmosphärisches Setting, wunderschöne Bilder und ein überaus dreckiges Ambiente belohnt.
Posted in 7. January 2007 ¬ 01:40h.Marcus

Wenn David Lynch im Spiel ist, dann fangen manche Rezensenten an Unsinn zu schreiben. Es gibt ja Regisseure, die dermaßen “präsent” sind, dass sie wie ein goldenes Kalb umtanzt werden. Krönung einer Kritik ist dann ein Satz wie dieser:
Das Großartige bei Lynch ist es aber, daß seine äußerst komplexe Montagetechnik durchaus Sinn zu haben scheint, und man nach Ende des Films das Gefühl hat, daß das ganze Geschehen absolut schlüssig ist; ähnlich wie bei “Lost Highway” hat man den Eindruck eines geschlossenen Kreises.
Wie kann man denn so einen Mist von sich geben und trotzdem für “Filmszene.de” schreiben dürfen? Da werden dann mal locker zehn von zehn Augen für die “gefühlte” Qualität des Films vergeben, nur weil David Lynch darauf steht. Und schon braucht man sich ja auch keine Mühe mehr zu machen, sich mit dem Film auseinander zu setzen. Der Grund, weshalb David Lynch angeblich den Ruf hat Filme zu machen, die den Zuschauer verarschen, weil sie “keinen Sinn ergeben”, ist damit wohl eher die Unfähigkeit des Filmszene-Kritikers einen adäquaten Zugang zum Werk zu finden. Ganz peinlich wird es dann bei dieser Aussage:
“Mulholland Drive” gewährt dem Zuschauer einen Einblick in das faszinierende Lynchland, das wohl nur derjenige wirklich erfassen kann, der alle bisherigen Filme des Regisseurs gesehen hat und nachvollziehen konnte. Trotzdem scheint sich ein erkennbarer roter Faden durch seine Werke zu spinnen.
Soso, es scheint sich also ein erkennbarer roter Faden durch seine Werke zu spinnen. Wenn ein Kritiker damit beginnt, Verständnis vorzutäuschen, um den Kultregisseur abfeiern zu dürfen und mit einem wissenden Lächeln in die Runde blicken zu können, dann ist man am Bodensatz der Filmkritik angelangt.
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Posted in 19. December 2006 ¬ 17:10h.Marcus

Filmplakat von "The Departed"
“The Departed” ist ein harter und sehr guter Gangsterfilm, der den Zuschauer mit seinem eher unkonventionellen Ende etwas ratlos zurücklässt. Was mich störte war das typisch _scorsesige_, das mich auch schon in “The Aviator” ein wenig irritierte. Irgendwann dachte ich mir “Noch eine halbe Stunde? Muss das denn sein?” Dafür war Jack Nicholson endlich mal wieder in einer richtig schön diabolischen Rolle zu sehen, das ist doch auch schon mal etwas. Auch wenn ich bei der einen oder anderen am Rande des Komödiantischen balancierenden Szene dachte: “Gleich fängt er an ‘I feel pretty’ zu singen.”
Glücklicherweise hielt “The Departed” für mich eine weitere Erkenntnis bereit. Mir ist endlich aufgefallen, was ich an Leo DiCaprio so nervig finde. Es ist seine deutsche Synchronstimme, die einen weinerlichen Unterton hat, der mir einfach nicht behagt und den ich nervig finde. Daher würde ich den Film gerne noch einmal in der Originalfassung sehen.
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Posted in 21. September 2006 ¬ 12:39h.Marcus
Gestern war es endlich so weit, ich sah den zweiten Teil der “Dollar-Trilogie” von Sergio Leone. Warum eigentlich den ZWEITEN und nicht zunächst einmal den ERSTEN? Naja, von Leones Western kannte ich bisher nur Once Upon A Time In The West (”Spiel mir das Lied vom Tod”) und Mein Name ist Nobody (mit Terence Hill und Henry Fonda). Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber irgendwie konnte “For a few Dollars more” mich nicht völlig überzeugen. Ich will mal versuchen zu erklären warum das so war.
Die Erwartungen waren sehr, sehr hoch. Bei allem, was ich an diesem Film mochte, musste ich doch stets daran denken, was für ein unglaubliches Meisterwerk “Once Upon A Time In The West” ist. Da konnte der Dollar-Film einfach nicht mithalten. Es liegt nicht daran, dass er schlecht wäre. Die Darsteller waren super, die Sets großartig, die Geschichte spannend und abwechslungsreich. Alles in allem ein großartiger Western. Aber dennoch, irgendetwas, was mich immer wieder dazu treibt “Once Upon A Time” zu schauen, fehlte hier.
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Posted in 27. May 2006 ¬ 23:29h.Marcus
Ba-dam-bam-BAAA-dam-dadam – so tönt die 70er-Jahre-Hammond-Orgelmusik aus den Lautsprechern meines Fernsehers. Es ist die Zeit der Ganzkörperbrillen und alberner Frisuren, und immer wieder ist das frisch gebaute World Trade Center im Bild, das Sydney Pollack in seinem Agentenfilm Die drei Tage des Condors voller Ehrfurcht und mit ein bisschen Stolz in Szene setzt. Dieser Film ist anders. Erst nach Jahren der Standard-Blockbuster und Standard-Hollywoodthriller, bei denen man immer schon zu ahnen glaubt, was als nächstes passieren, und wer warum ins Gras beißen wird, weiß man diesen Umstand in vollem Umfang zu würdigen.
Es geht um einen Amoklauf des CIA, um “Realpolitik” versus Menschenrechte und rechtsstaatliche Ideale, letztlich ist der Film also hochaktuell. Ich denke es macht wenig Sinn, auf die Details der Handlung einzugehen. Die Handlung an und für sich wäre vermutlich austauschbar. Es geht darum, WIE sie präsentiert wird. Ich glaube genau zu wissen, wie ein Remake des Films aussähe. Minutenlange Verfolgungsjagden, Schießereien, Explosionen und Zeitlupen. Man kennt das ja. Pollack jedoch erspart uns dies alles. So wird der Blick geschärft für das Wesentliche: wir sehen eine Welt, in der Gut und Böse nicht mehr säuberlich getrennt werden können. Eine Welt, in der Geheimdienste undurchschaubare Dschungel geworden sind, in denen jeder des anderen Feind ist. Man spürt eine fundamentale Verunsicherung der Charaktere. Diese Welt ist nicht in Ordnung. Es gibt keine Sicherheiten. Weder im Beruf, noch in der Familie.
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Posted in 29. March 2006 ¬ 13:14h.Marcus
Manchmal gibt es Filme, die man zugleich hoch loben und verreissen möchte. Zunächst einmal ist “V wie Vendetta” die vielleicht realistischste und glaubwürdigste Comic-Verfilmung, die ich je gesehen habe. Kein Vergleich zu den langen Videospielsequenzen von “Spider-Man” und Konsorten. Es gibt keine abgedrehten, durch Säurebäder und Selbstversuche wahnsinnig gewordene Erzschurken mit Superkräften, und auch der Held ist erstaunlich menschlich, auch wenn man sein Gesicht im Filmverlauf nicht ein einziges Mal sieht. Hinzu kommt, dass man bei “V wie Vendetta” keine Fortsetzung zu befürchten hat. Der Film ist völlig in sich abgeschlossen und schön abgerundet.
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Posted in 2. March 2006 ¬ 12:03h.Marcus
Wer bereits Traffic von Steven Soderbergh gesehen hat, und bei dem Stephen Gaghan, der Regisseur von Syriana, das Screenplay beigesteuert hat, der konnte von der Machart dieses neuen Gesellschafts-Thrillers nicht im Geringsten überrascht sein. Wie in Traffic wird auch in Syriana in erster Linie versucht, einen Querschnitt durch die Gesellschaft zu zeigen. Zunächst könnte man geneigt sein zu argumentieren, dass sich der Fokus im Vergleich zu Traffic nunmehr von den USA auf die ganze Welt ausgeweitet habe, doch auch in Traffic wurde das Thema des Films bereits grenzüberschreitend abgehandelt, denn bedeutende Teile des Plots waren in Mexiko angesiedelt, über dessen Grenze Drogen für die amerikanischen Konsumenten geschafft wurden.
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Posted in 30. January 2006 ¬ 12:07h.Marcus
Filmkritik von Januar 2006:
Also gut, wir sahen gestern nachmittag München, den neuen Film von Steven Spielberg, dessen Hauptfigur Avner (gespielt von Eric “Hulk & Hector” Bana) vom israelischen Mossad den Auftrag erhält, die Drahtzieher des Terrorattentats auf die israelische Olympiamannschaft zu ermorden. Leider machte ich den Fehler direkt nach dem Kinobesuch das lange Review von Rüdiger zu lesen, das mich so verwirrt hat, dass ich meine eigenen Gedanken über den Film kaum noch hören kann. Zudem ist die ganze Debatte über den Film inzwischen so stark politisch überzeichnet worden, dass man sich in einem Minenfeld bewegt.
Ich denke “München” ist ein handwerklich außerordentlich guter Film, die Ereignisse sind spannend und mitreißend inszeniert. Brutalitäten, die bei Attentaten wohl unvermeidlich sind, werden nicht ausgeblendet oder weichgezeichnet. Der Realismus erinnerte teilweise an Saving Private Ryan. Ich denke man kann “München” nicht als wahrheitsgemäße Aufarbeitung der damaligen Ereignisse verstehen. Man lernt nichts über die Geschichte, aber unter Umständen einiges über die Funktionsweise der menschlichen Psyche.
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