Muse – The Resistance

Ich höre mich gerade nebenher per YouTube-Playlist in das neue Muse-Album “The Resistance” ein und fühle mich als alter Queen-Fanatiker massivst getriggert! Wenn im gleichnamigen Titelsong plötzlich der Hintergrund-Chor “He could be wrong, could be wrong” schmettert, dann ist das einfach purer Queen-Bombast. Wow!

“Undisclosed Desires” finde ich im Gegensatz zu manchen Muse-Fans gar nicht schlecht. Ich finde, dass sie damit ihr musikalisches Repertoire erweitern. Der Song erinnert mich vom Sound her im positiven Sinne an eine wilde Mischung aus “Annie Lennox” und “The Cure” und gar nicht so sehr an “Beyonce” und vergleichbare gegenwärtige Entwicklungen. Ähnlich sehe ich es beim ersten Song “Uprising”, den ich vom Text her den Verschwörungstheoretikern dieser Welt anempfehlen möchte.

“United States of Eurasia” – was für ein verrückter Song! Das kann man ja eigentlich nur lieben! Abwechslungsreich und phantasievoll; vor meinem inneren Auge entfalten sich hollywoodreife Szenen, die sich zu einer wilden Mischung aus “Lawrence von Arabien”, “Liebe und Krieg” und ähnlichen europäisch angehauchten Monumentalschinken vereinen.

“Unnatural Selection” ist überirdisch. Wie kann man nur so fette Musik machen? Kirchenorgel und dann diese dumpfen, hämmernden Gitarrensounds. Einige äußerst eingängige Melodien und Rhythmen, ansonsten melodisch abwechslungsreich und voller Einfälle und Tempiwechsel. Stark! Ich verstehe nicht, dass manche das zu anstrengend finden.

Die Symphonie (Exogenesis, Part I – III) ist auch sehr wahnsinnig. Mir fehlt aber jede klassische Vorbildung, um auch nur ansatzweise beurteilen zu können, ob hier klassische Musik lediglich oberflächlich simuliert und geplündert, oder ob ihre Elemente aufgegriffen, verarbeitet, variiert und kongenial verpopmusiziert werden. Mir gefällt das jedenfalls sehr gut, und dabei fällt mir ein, dass ich mal wieder sehr laut “Bohemian Rhapsody” hören muss.

Die anderen Songs bleiben mir im ersten Durchgang noch nicht so im Ohr hängen, obwohl auf einigen Songs weitere kleine Queen-Reminiszenzen aufzufinden sind und vieles sakral, bombastisch oder auch einfach soundtrackartig klingt und somit durchaus Ohrwurmpotenzial aufweist.

Mir kommen aber in manchen Momenten auch Zweifel. Klar, Muse waren schon immer überschwänglich, haben sich musikalisch verschwendet und lieber drei Lagen zu viel aufgetragen als eine zu wenig. Das war aber meiner Meinung nach stets vollkommen okay, weil die Kompositionen so rauschartig, abwegig und schlichtweg lang waren, dass man ihnen nicht ernsthaft vorwerfen konnte, primär für das Radio oder das Musikfernsehen produziert zu haben. Das steht in manchen Songs jetzt auf des Messers Schneide. Werden sie künftig noch kürzer und noch poppiger, dann haben sie die Schwelle zur Beliebigkeit überschritten und biedern sich zu sehr an.

Ich habe in den letzten Jahren selten ein Album gehört, das mich auf Anhieb so angesprochen hat. Das ist leider ein Indiz dafür, dass es plakativ und oberflächlich ist. Andererseits fand ich Muse auch vorher schon toll. Die Qualitätsfrage wird also wohl nur im Langzeittest beantwortet.

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