Der letzte Kuss
Michael (Zach Braff) und seine Freundin Jenna (Jacinda Barrett) führen eine wilde Ehe. Sie ist seit einigen Wochen schwanger und Michael bekommt Torschlusspanik, obwohl seine Beziehung eigentlich perfekt ist. Zusammen mit seinen Junggesellenkumpels lässt Michael es noch einmal so richtig krachen.
Klingt wie ein 08/15-Quarterlife-Crisis-Kumpelfilm? Ja, richtig. Aber ich war echt überrascht! Ich habe ohne über Informationen zu verfügen einen eher seichten Film über Endzwanziger im heiratsfähigen Alter erwartet. Stattdessen bekam ich ein einfühlsames Drama mit leicht komödiantischen Momenten über Menschen mit Beziehungsproblemen in unterschiedlichsten Lebenssituationen zu sehen.
Ja, die Dramaturgie ist recht konventionell. Interessant wird der Film durch die Kompromisslosigkeit, mit der er das Thema aufgreift. Dem Zuschauer wird nichts vorgemacht, der Weichzeichner bleibt weg. Das ist für den Zuschauer auf der emotionalen Schiene teilweise ziemlich schmerzhaft mitanzusehen. Michael erliegt letztlich der Versuchung, sich mit einer jungen Studentin einzulassen, weil er das Gefühl hat in seinem Leben etwas zu verpassen. Der Seitensprung kommt aber erst zustande, nachdem er Jenna eine viel geringere Verfehlung gestanden und sie darauf äußerst aggressiv reagiert und ihn verbal bereits abserviert hat. Der Rest der Geschichte ist dann der Versuch der Aufarbeitung und der Reparatur, und das stellt sich weitaus schwieriger dar, als man zunächst orientiert an anderen Filmen mit ähnlichen Themen denken würde.
Die Beziehung von Jenna und Michael wird durch zwei oder drei weitere Beziehungen anderer Charaktere gespiegelt. Da wäre einerseits Michaels Kumpel Chris (Casey Affleck), der bereits einen einjährigen Sohn hat, und dessen Ehe auf der Kippe steht und letztlich an den Belastungen des Alltags zerbricht. Außerdem haben Jennas Eltern schwere Beziehungsprobleme nach 30 Jahren Ehe und mindestens einem Seitensprung von Jennas Mutter.
Letztlich bleibt der Eindruck zurück, dass eine Beziehung nur gelingen kann, wenn man weder sich selbst noch dem anderen etwas vorspielt und hart für das Beziehungsglück arbeitet. Trotz der vertraut scheinenden Dramaturgie nimmt der Film in vielen Details einen interessanten Verlauf. Klar, das ist alles nicht superinnovativ. Aber irgendwie schaffte der Film es mich zu fesseln. Den Unterschied zwischen einem durchwachsenen und einem guten Film machten für mich die Darsteller. Zach Braff wird für mich wohl ewig der Kerl aus Scrubs bleiben. Aber die Nebenrollen waren teilweise hervorragend besetzt. Blythe Danner spielt äußerst überzeugend Jennas Mutter Anna. Tom Wilkinson als Jennas Vater Stephen hat gegen Ende einen sehr eindrucksvollen Auftritt, als er Michael die Werte einer Ehe und die Notwendigkeit der Ehrlichkeit zu sich selbst und dem anderen nahe bringt.
Ich würde mal 7 von 10 nassen Strickdecken vergeben.
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